Ehrlich gesagt, hatte auch ich am Anfang eine Abneigung gegenüber dem Blutegel, aber dann durfte ich erleben, wie schnell Beschwerden gelindert werden und Patienten wieder schmerzfrei sind.
Der Blutegel lebte ursprünglich überall in Europa, vorwiegend am Grunde sumpfiger Pflanzenbewachsener Teiche, Tümpel und Bäche. Früher gab es so viele, dass man sie nur einzusammeln brauchte. Heute gilt er bei uns als fast ausgestorben und steht unter Artenschutz.
Obwohl in den letzten Jahren wieder Blutegel in Norddeutschland gesehen wurden.
Biologie und
Geschichte
Man unterscheidet den medizinischen Blutegel
(Hirudo medicinalis) und den „offiziellen“ oder
ungarischen Blutegel (Hirudo officinalis).
Eigentlich unterscheiden sie sich nur in der
Färbung ihrer Haut, anatomisch gibt es keinen
Unterschied.
Der heute für die Blutegelbandlung verwendete
medizinische Blutegel wird in speziellen
Zuchtfarmen für die einmalige Verwendung am
Patienten gezüchtet, dies garantiert, dass nur
gesunde Blutegel zum Einsatz kommen.
Eine zweimalige Verwendung eines Blutegels, auch
wenn es sich dabei um den gleichen Patienten
handelt, ist strengstens verboten.
Der Blutegel selbst, ist ein schönes und
elegantes Tier, der mit seinen delphinähnlichen
Schwimmbewegungen sehr schön anzusehen ist.
Sie gehören zu den Ringelwürmern und gelten als
höher entwickelte Verwandte der Regenwürmer.
Der Egel erreicht eine Länge von 10 – 15cm, der
Rücken ist dunkel olivgrün und der Bauch
grüngelb gefärbt. Der Rücken ist mit ca. 95
Ringeln gekennzeichnet.
Der Blutegel besitzt 5 Augenpaare, die auf der
Rückenfläche liegen.
An den Körperenden befindet sich je ein Saugnapf
und in der Mundöffnung sitzen drei sternförmig
angeordnete Kiefer, die nach einem Biss eine
sternförmige Narbe hinterlassen, welche aber
recht schnell wieder verblassen und nach einiger
Zeit nicht mehr zu sehen sind.
Die Wirkung der Blutegelbehandlung ist zu
vergleichen mit der des blutigen Schröpfens,
„schlechtes überflüssiges Blut wird entzogen“.
Die Behandlung gilt auch als sanfter Aderlass,
obwohl bei einem Aderlass nur Blut entnommen
wird, bei der Blutegelbehandlung zwar auch, aber
es wird auch etwas zugeführt, nämlich die
Wirkstoffe, die im Speichel der Blutegel
enthalten sind. Aber dazu komme ich später.
Der Blutegel wurde schon 200 Jahre vor Christus
von einem griechischen Arzt erwähnt (Nikandros
von Colophon), dieser Arzt setzte Blutegel vor
allem an die Bissstellen von giftigen Tieren um
so das Gift aus den Körper des Patienten zu
bekommen.
Ab dem 13. Jahrhundert kam es von Frankreich
ausgehend zu einem regelrechten „Egel-Boom“.
Aufzeichnungen aus dem Jahr 1827 belegen, dass
allein in Frankreich mehr als 30 Millionen Egel
gesetzt wurden. Diese mussten aus den
umliegenden Ländern eingeführt werden. Es gab
damals schon Blutegelzuchtfarmen, denn in ihrer
natürlichen Umgebung wie Teiche und Tümpel waren
sie schon längst ausgerottet.
So um 1850 erreichte die Blutegelbehandlung
zusammen mit dem Aderlass einen fragwürdigen
Höhepunkt, den man auch „Vampirismus“ nannte.
Wenn man sich vorstellt, das in der Blütezeit
der Blutegelbehandlung bis zu 100 Egel und mehr
pro Patient gesetzt wurde, kann man sich das
Wort „Vampirismus“ gut erklären.
Der Mensch hat ca. 5-6 Liter Blut, der
Blutverlust pro Blutegel entspricht ca. 50ml,
das macht bei 60 Blutegeln ca. 3l Blut, bei 100
Blutegel ca. 5l Blut.
Heute werden nur noch max. 12 Blutegel gesetzt,
was einen Blutverlust von ca. 600ml zu folge
hat.
Ab dem 19. Jahrhundert verschwand die
Blutegeltherapie fast ganz. Es brach ein anderes
Zeitalter an, die Medizin machte immer größere
Entdeckungen, wie z.B. das Penicillin
und die altmodischen Therapien der
Naturheilkunde wurden zunächst verdrängt.
Nach dem zweiten Weltkrieg, gab es nur noch drei
Apotheken, die noch einen Versandhandel mit
Blutegel betrieben.
Aber in den letzten zwei Jahrzehnten wurde die
Blutegelbehandlung wieder populärer und selbst
Krankenhäuser haben diese uralte Möglichkeit der
Therapie wieder entdeckt.
Zum Beispiel in der Unfallchirurgie, bei
Re-Transplantationen werden Blutegel wieder
vermehrt eingesetzt.
Das Problem bei diesen Re-Transplantationen
(wenn abgetrennte Gliedmaßen wieder angenäht
werden z.B. Finger) ist, die venöse
Mikrozirkulation wieder in Gang zu bekommen.
Durch die Eigenschaften der Blutegelwirkstoffe
kann das angestaute Blut besser abtransportiert
werden.
Der Hauptwirkstoff der im Blutegelspeichel
enthalten ist, ist das Hirudin. Der Speichel
enthält noch viele weitere Wirkstoffe, einige
von ihnen sind noch nicht ganz erforscht.
Die Hauptwirkung dieser Stoffe sind folgende:
- gerinnungshemmend
- entzündungshemmend
- krampflösend
- beruhigend
- durchblutungsfördernd
Bei der Durchblutungsfördernde Wirkung, wird
die Fließeigenschaft von Blut und Lymphe
angeregt, dadurch entstaut sich das lokale
Gewebe, was wiederum eine entschlackende und
entgiftende Wirkung hat.
Der Speichel selbst ist frei von
Krankheitskeimen und bis heute ist kein einziger
Fall bekannt, dass ein Blutegel eine Krankheit
übertragen hat.
Der Biss eines Blutegels ist wenig schmerzhaft,
eher ein Pieksen und die einzige „Mahlzeit „ die
ein Blutegel zu sich nimmt, reicht ihm für ca.
6-12 Monate. Also ein recht sparsames Tier.
Bei welchen Erkrankungen hilft eine
Blutegelbehandlung?
- Arthrose / Arthritis
- Krampfadern
- Venenentzündungen
- Bluterguss, Quetschungen
- Abszesse / Furunkel
- Ischialgie
- Rheumatische Beschwerden
- Sehnenscheiden – u. Schleimbeutelentzündungen
- Ulcus crusris (offene Beine)
Wann dürfen keine Blutegel gesetzt werden
- Blutgerinnungsstörungen
- Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten (Marcumar, Aspirin)
- Ausgeprägte Anämie (Blutarmut)
- Leukämie
- Sehr niedrigem Blutdruck
- Diabetes mellitus (wegen der evtl. schlechten Wundheilung )
- Starker Abmagerung
- Magen- und Darmgeschwüre
Wie ist nun der Ablauf einer
Blutegelbehandlung?
Die Blutegelbehandlung ist recht zeitaufwendig,
mit der Anamnese und der Erstuntersuchung, das
Setzten der Blutegel und die Kontrolle am
nächsten Tag, kommt man auf etwa 4 Stunden bei
der ersten Behandlung.
Das eigentliche Setzten geht recht zügig, ich handhabe zwei Methoden:
- entweder lasse ich die Blutegel selber suchen wo sie beißen möchten
- oder ich setzte sie gezielt z.B. bei Krampfadern
Wenn der Blutegel einmal sitzt, sollte man
ihn in Ruhe lassen bis er von alleine abfällt.
Das kann zwischen 30 Min. und 3 Std. dauern.
Am besten man bringt sich ein Buch oder eine
Zeitung mit.
Es ist nicht ratsam den Blutegel vorzeitig oder
mit Gewalt zu entfernen, manche empfehlen Salz
auf den Egel zu streuen oder ihm ein mit in
Alkohol getränktes Tuch vor die „Nase“ zu
halten, damit der loslässt. Man erreicht damit
nur, dass der Egel sich ekelt und sich erbricht.
Was nicht so schön aussieht.
Man lässt ihn am besten seine Arbeit machen,
denn dafür wurde er gezüchtet.
Wenn alle Egel abgefallen sind, werden die
„Wunden“ mit einem Verband versorgt. Ich
verwende dafür Babywindeln, die ich in
verschiedene Größen schneide.
Babywindeln deshalb, weil sie erfahrungsgemäß
die beste Saugkraft haben.
Die Nachblutung nach einer Blutegelbehandlung
dauert zwischen 12 und 24 Std. kann unter
umständen auch länger dauern.
Dies ist durchaus gewollt und hat eine
zusätzliche ausleitende Wirkung von „Schlacken-
und Giftstoffen“.
Die Nachblutung ist bei jedem verschieden, bei
dem einen mehr beim anderen weniger, aber keine
Angst es sieht vielleicht schlimmer aus als es
ist. Deshalb auch die Babywindeln und wer eigene
Kinder oder Enkelkinder hat, der weiß was alles
in eine Windel reinpasst.
Gut verpackt entlasse ich Sie dann nach Hause um
sich den Rest des Tages Ruhe zu gönnen und sich
verwöhnen zu lassen. Und wenn ich Ruhe sage,
dann meine ich es auch so.
Bitte keine großen Einkaufsbummel, keine
anstrengenden und/oder schmutzigen Arbeiten,
keine Gartenarbeit oder abends das Tanzbein
schwingen, bis die Nachblutungen aufgehört haben
und die Bisswunden vollständig verheilt sind.
Solange halten Sie die Wunde bitte mit einer
kleinen Mullkompresse oder einem Pflaster
bedeckt.
In den ersten Tagen nach der Behandlung kann es
zu einem Juckreiz kommen, der von jedem
Patienten unterschiedlich stark empfunden wird.
Genauso entwickelt jeder Patient seine eigene
Methode mit diesem Juckreiz um zugehen.
Manche benutzen nur Aloevera Gel, andere mischen
einige Tropfen Lavendelöl und Teebaumöl unter.
Es kann auch Fenistil Gel, Ekzevowen derma
Salbe, Quarkpackungen, Umschläge mit Heilerde
usw. verwendet werden.
Eines ist im Umgang mit dem Juckreiz ganz
wichtig, es darf nicht gekratzt werden, wenn es
sehr stark juckt, dann bitte mit einem
Mulltupfer abdecken. Kratzten kann ganz schlimme
Entzündungen hervorrufen, die dann evtl. sogar
in ärztliche Behandlung müssen.
Die erste Kontrolluntersuchung findet in der
Regel nach 24Std. statt, evtl. eine weitere nach
einpaar Tagen.
Der gesamte Zeitaufwand für eine Behandlung mit
Blutegeln liegt bei ca. 3-4 Std. es beinhaltet
die Anamnese, Untersuchung und Aufklärung über
die Behandlung, das Setzten der Blutegel und die
Nachkontrolle.
Ich hoffe ich konnte Ihnen die Blutegel etwas
näher bringen und Ihnen eine evtl. Abneigung
nehmen, denn ich denke, wir sollten dankbar
sein, dass uns die Natur einen so großartigen
Heiler zu Verfügung gestellt hat.
www.blutegel.de